Warum streiken die Ärzte?
Am Aschermittwoch 2009 hielten viele Ärzte in Nordrhein-Westfalen ihre Praxen ganz oder zeitweilig geschlossen. Sie protestierten damit gegen Verschärfungen im Gesundheitssystem. Mittlerweile ist es nämlich so, dass die Ärzte von den gesetzlichen Krankenversicherungen für jeden Patienten pro Quartal nur einen bestimmten Betrag abrechnen können. Dieser Betrag ist auch noch von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich, in NRW besonders niedrig. 35,68 Euro bekommt der Arzt für jeden gesetzlich versicherten Patienten im Quartal. Legt man beispielsweise das übliche Einkommen eines Rechtsanwalts zugrunde, deckt diese Pauschale eine Behandlungszeit von etwa sechs Minuten - alle drei Monate, wohlgemerkt. Es versteht sich von selbst, dass in dieser Zeit eine gründliche Untersuchung nicht möglich ist, schon gar nicht, wenn der Patient mehr als einmal im Quartal die Praxis aufsucht. Dass andererseits ein Arzt nach seiner aufwändigen Ausbildung, unter Berücksichtigung seiner Verantwortung und des Wertes seiner Arbeit, nicht weniger verdienen darf als sein Aufwand fordert, versteht sich ebenfalls von selbst und wird sicher auch von den meisten Ärzten, bei allem Idealismus, so gesehen. Die Ärzte fordern daher eine höhere Vergütung, und man muss sich wundern, dass ihre Patienten nicht Seite an Seite mit ihnen demonstrieren. Wenn man sich klar macht, dass die Krankenkassen für jedes Mitglied bis zu 1710 Euro pro Quartal erhalten (das ist bis zu dreimal der Höchstbeitrag von etwa 570 Euro im Monat), so drängt sich die Frage auf, wo der Rest des Geldes - 1700 Euro abzüglich 35,68 Euro unter der Voraussetzung, dass auch jedes Mitglied tatsächlich einen Arzt aufsucht - bleibt. Es liegt auf der Hand, dass entweder bei der Preisgestaltung in Pharmazie und Medizintechnik oder aber bei den Verwaltungskosten der Krankenkassen etwas ganz gewaltig im Argen sein muss. Leben können Nordrhein-Westfalens Ärzte jedenfalls, wenn überhaupt, nur noch von den Privatpatienten, für die sie weiterhin leistungsbezogene Beträge abrechnen können. Damit halten jetzt im Wesentlichen die Privatpatienten unser Gesundheitssystem am Leben. Kein Wunder, wenn die in Zukunft von den Ärzten noch mehr als bisher hofiert werden. Für jeden, der die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt (oder, z.B. durch vorübergehende Aufnahme einer selbständigen Tätigkeit, erfüllen kann) ist jetzt zumindest ein PKV Vergleich zu empfehlen. Vielleicht stellen jene Personen überrascht fest, dass eine private Krankenversicherung (PKV) tatsächlich die bessere Alternative ist.
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